Artikel "Thüringer Allgemeine/TLZ" 10.2011

Liane Heft aus Finsterbergen ist unterwegs zu sich selbst

Liane Heft aus Finsterbergen hat eine Liebeserklärung an und auf dem Rennsteig sowie an das Leben geschrieben. Das half ihr auch beim Verarbeiten einer Krankheit.

 

Finsterbergen. Die meisten Wanderführer beschreiben eine Rennsteigtour von Hörschel an der Werra nach Blankenstein an der Saale. Liane Heft aus Finsterbergen hat den Höhenweg des Thüringer Waldes entgegengesetzt - von Blankenstein nach Hörschel - bewältigt und ein Buch darüber verfasst: "Mein Weg. Gesucht. Gegangen." ist im Sommer dieses Jahres erschienen.

Es ist Liane Hefts erste Veröffentlichung und mehr als ein reiner Rennsteig-Wanderführer. Denn sie hat sich im Oktober 2008 nicht aus Wanderlust auf die Socken gemacht. Vielmehr wollte sie zu sich finden, quasi auf einer kleinen Pilgerreise. "Für den großen Jakobsweg hätte mir damals die Kraft gefehlt."

Nach einem Burnout (Erschöpfungsdepression) war Liane Heft nicht mehr die taffe, permanent leistungsfähige, keine Überstunden scheuende Frau, sondern ängstlich, mut- und kraftlos. "Am liebsten hätte ich mich verkrochen", erinnert sie sich.

Deshalb wollte sie eigentlich auch allein loslaufen, um ganz für sich herauszufinden, wie sie wieder gesund werden kann. "Doch ich war krank, und mein Mann ließ sich nicht davon abbringen, mich zu begleiten." Im Buch liest sich das dann so: "Wir haben einen Kompromiss getroffen: Wir gehen zusammen los, und ich bin der Wanderleiter und Bestimmer, und mein Mann ist die Wandergruppe und muss auf mich hören."

Wanderleiter (sie) und Wandergruppe (er) haben im Verlauf ihrer Tour manches zu bewältigen: Sie hadert mit sich. Er ist gestresst. Sie verlaufen sich. Ihr Knie streikt. Sie gibt manchmal doch wieder klein bei, dabei wollte sie doch nicht mehr müssen müssen!

Reden über Gott und die Welt

Dann schneit es auch noch. Aber da zeigt der gemeinsam bewältigte Weg, zeigt das Pilgern schon Wirkung. "Wir reden über Gott und die Welt... Wichtige Nichtigkeiten. Nichtige Wichtigkeiten... Und ich lächele die ganze Zeit."

Doch es geht nicht nur um ihre Beziehung, sondern Liane Heft setzt sich auch intensiv mit ihrer Krankheit auseinander. "Das Gefährliche an meiner Krankheit ist, dass sie sich nicht mit Schmerzen bemerkbar macht; dass sie weder für mich noch für andere sichtbar oder greifbar und damit begreifbar ist."

Bei allem Ernst schafft es die 49-jährige Finsterbergerin jedoch, mit Witz und viel Selbstironie die Schwierigkeiten ihres Weges zu beschreiben. Und neben geschickt eingebauten Angaben zu den Etappenlängen (in Schritten und Kilometern) erzählt die Autorin zudem Interessantes über Orte und Begebenheiten am Wegesrand.

Besonders bleibt davon die zufällige Begegnung mit einem anderen Wanderpaar in der Schutzhütte am Possenröder Kreuz in Erinnerung. Liane Heft bringt dort mit ihrem Vortrag über Martin Andersen Nexö, seine Verbindung zu Finsterbergen und seinen Roman "Die Puppe" nicht nur die Fremden, sondern auch ihre Wandergruppe zum Staunen.

Am Ende des Weges, in Hörschel, bleiben bei Liane Heft noch viele Fragen: "Soll ich mein Glück wegwerfen? Aussteigen aus einem sicheren Job, der mir Verdienst und Anerkennung gewährt? Soll ich mein Glück wagen? Aussteigen aus Pflichtgefühl, Zeitdruck, Perfektionismus, Karrierestreben? Geld gegen Zeit und Gesundheit tauschen?"

Langer Weg bis zur Buch-Veröffentlichung

Aber sie weiß eines sicher: Dass sie Zeit haben möchte für sich und die Menschen, die sie mögen. "Das fühlt sich saugut an", denkt sie mit einem Blick auf das zufriedene Gesicht ihres Mannes.

Und sie will ein Buch schreiben. "Vielleicht ist das meine Bestimmung", sinniert sie am Ende des Höhenweges.

Nun liegt das Ergebnis vor. "Ich hatte das Manuskript an verschiedene Verlage geschickt. Es kamen Absagen, manchmal gar keine Antwort, und dann zeigte der Novum-Verlag in Österreich Interesse", erzählt Liane Heft. Dort ist das Buch nun auch erschienen.

Es soll nicht das letzte der Finsterbergerin gewesen sein. Denn schon als Kind hat sie Abenteuergeschichten und kleine Theaterstücke verfasst. Für den Finsterberger Karneval schreibt sie Büttenreden. Präsidentin des Vereins ist sie auch noch. "Ich wollte mich zurückziehen, aber ich sollte bleiben. Das ist gut so, damit ich unter Leute komme."

Unter Leute kommt sie auch, wenn sie ihr Buch bei Lesungen vorstellt. In ihrem Heimatort ist Liane Heft dabei bereits auf Interesse gestoßen.

Am 16. Oktober ist sie um 15 Uhr in Keßlers Backshop in Crawinkel zu Gast. Gern würde sie auch in größeren Orten am Rennsteig lesen. "Da versuche ich gerade, Kontakte zu knüpfen."

Außerdem hat sie schon einige Ideen für Romane, erzählt sie. Zunächst aber wird es einen zweiten Teil zu ihrer Rennsteigtour geben - allerdings handelt der von der Zeit davor.

Liane Heft: "Mein Weg. Gesucht. Gegangen.", Novum-Verlag, 150 Seiten, 17,40 Euro, ISBN: 978-3-99003-528-3

 

Claudia Klinger / 11.10.11 / Thüringer Allgemeine Lokalredaktion D-99867 Gotha

 
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